Vegan leben und essen: 10 Jahre Tierrechtskochbuch

Am 30. Dezember 1999 begann die Tierrechtsinitiative Maqi ein richtungsweisendes Projekt: Die erste Fassung des Tierrechtskochbuchs entstand.

Was Menschen essen oder nicht hängt oft einfach nur davon ab, wann und wo sie geboren, von wem und wie sie erzogen wurden: ob Hühner, Hasen oder Hunde, Schweine, Schnecken oder Schlangen, Kühe, Kängurus oder Katzen, Pferde, Perlhühner oder Palolowürmer, Welse, Wale oder Wildschweine, Affen, Aale oder Alligatoren, Meerschweinchen, Mufflons oder Mitmenschen auf dem Speiseplan stehen, ob sie Eier von Vögeln oder Reptilien oder Ausscheidungen von Insekten (wie Honig oder Schellack) goutieren, “Schinken”, “Maultaschen”, “Blubber”, “Ziegenkäse”, “Haggis”, “Bruteier”, “Weißwurst” als “Essen” betrachten hängt primär von willkürlichen und zufälligen Umständen ab, von der lokalen Flora und Fauna, genetischer Disposition (wie der nahezu weltweiten Laktoseintoleranz, die massiv das Konsumverhalten bezüglich Milchdrüsensekreten beeinflußt), vor allem aber schlicht von (allzu oft blutiger) überkommener Tradition.

Was aber, wenn jemand beginnt, all dies zu hinterfragen, und sich entschließt, zukünftig ethisch verantwortlich, also vegan, zu leben? Neben dem ggf. erforderlichen Abschaffen von “Leder”-Sofas, “Pelz”-Mänteln, “Woll”-Pullovern oder “Seiden”-Krawatten liegt dann mehrmals täglich und daher prominent die Frage: “Was essen?” auf dem Tisch. Jetzt, wo es selbst vegane Fertiggerichte an jeder Ecke gibt und auch Discounter nicht umhin können, Sojamilch und Tofu zu führen, ist kaum noch jemandem gegenwärtig, daß es vor einer Dekade keineswegs so einfach wie heute war, vegan zu leben. Zur Erinnerung: Handys wogen ein halbes Pfund und taugten, wenn sie sich jemand überhaupt leisten konnte, allenfalls zum Telefonieren, Fernsehgeräte waren nicht flach und kaum breiter als hoch, und so gut wie niemand hatte das Wort “vegan” je gehört, geschweige denn wie heute regelmäßig in der Zeitung gelesen. Das Internet war – wie Veganismus – für viele Neuland.

So entstand das Tierrechtskochbuch: Rezepte und Informationen für den veganen Alltag, sorgfältig getestet, oft von Grund auf neu entwickelt, kostenlos zugänglich im Netz. Ganz bewußt wurde als Titel nicht “Vegankochbuch” gewählt, da Veganismus oft mit einer restriktiven Form vegetarischer Ernährung, Vegankost, verwechselt wird – was Veganismus aber keineswegs ist: Veganismus ist vielmehr eine Lebensweise, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckt, nur ist Essen der auffälligste davon, da Nahrungsaufnahme in der Regel mehrmals täglich geschieht im Gegensatz etwa zum Kauf neuer Schuhe (“Leder”) oder Bettdecken (“Daunen”). Stattdessen weist der Titel deutlich darauf hin, worum es dabei essentiell geht: das Recht anderer Tiere, nicht “benutzt” und nicht ermordet zu werden.

Die mittlerweile vierhundert Rezepte mit hunderten Fotos im Tierrechtskochbuch umfassen ein weites Spektrum: Rührtofu, Seitan, Zupfkuchen, Gulasch, Limonade, Pizza, Muffins, Vanille-Kipferl, Nudel-Tomaten-Auflauf, Schokoladeneis uvm. Der Großteil der Rezepte ist dabei alltagstauglich, sprich: einfach, schnell und preiswert, überwiegend aus Grundzutaten zuzubereiten. Es werden – anders als heute vielfach üblich – keine Markennamen, etwa von veganer Margarine, Sojasahne oder Ei-Alternativprodukten oder gar Fertigprodukten genannt (viele “vegane Rezepte” bestehen heutzutage im wesentlichen aus der Beschreibung, wie eine Packung Soja”fleisch” und eine Dose Gemüse zu öffnen und der Inhalt zu erhitzen ist). Auch werden keine Drogen als Zutaten verwendet (anders als oft behauptet verflüchtigt sich der Alkohol im Wein usw. beim Kochen keineswegs, dazu wären weit höhere Temperaturen und Kochzeiten erforderlich).

Vor allem aber sind die Rezepte frei Tierprodukten und somit frei von Leid und Mord.

Und es geht nicht nur ums Essen, auch Rezepte für veganes Shampoo, Duschgel, Putzmittel, vegane Seife, veganen Tapetenlöser oder Hustensaft sind zu finden.

Darüberhinaus gibt es ein Forum und umfangreiche Informationen, so etwa über vegane Ernährung allgemein, über Alternativen zu Vogeleiern, Tiermilch, Honig, Aspik, unveganer Kuvertüre oder Backpulver, über küchenspezifische Begriffe in verschiedenen Sprachen (deutsch, österreichisch, schweizerdeutsch und englisch); über versteckte Tierprodukte (Gelatine zur Klärung von Säften oder Essig, Cochenille, tierkohleraffinierter Zucker, diverse Aromen, Backfermente etc.) uvm.

Nähere Informationen und Bildmaterial bei Maqi – für Tierrechte, gegen Speziesismus, c/o Achim Stößer, Berliner Str. 34, D-63619 Bad Orb, Tel. 06052 309788, mail@maqi.de, http://maqi.de.

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