Neues Recht im europäischen Weinmarkt – ein kleiner Einblick.

Zum 01. August wurde der Weinmarkt in Europa neu organisiert. Neben vielen Neuerungen für diverse önologische Verfahren wird es auch Änderungen bei den Bezeichnungen geben.

Das Ergebnis der Neuregelung scheidet die Geister in der Weinwelt. Die einen reden von mehr Bürokratie und Verwirrung des Verbrauchers, die anderen sehen darin die ersehnte Chance zum Neuanfang.

Besonders das neue Bezeichnungsrecht ist erklärungsbedürftig. Was bisher als Qualitäts-, Land- oder Tafelwein vermarktet wurde wird künftig Wein mit „geschützter Ursprungsbezeichnung“ (g. U.), mit „geschützten geografischen Angaben“ (g. g. A.) oder „ohne engere Herkunftsangaben“ heißen. Für die letzteren (bisher Tafelweine) sind nun außerdem die Angaben einer Rebsorte und eines Jahrgangs zulässig.

Der Unterschied zwischen den Weinen mit „geschützter Ursprungsbezeichnung“ und den mit „geschützten geografischen Angaben“ liegt in zwei Punkten:

Bei der geschützten Ursprungsbezeichnung müssen die Trauben zu 100 % aus dem geografischen Ursprungsgebiet kommen, bei den geschützten geografischen Angaben nur zu 85 %. Außerdem dürfen bei den ersteren Weinen nur Trauben der botanischen Gattung Vitis Vinifera  verwendet werden (Europäer-Reben), bei den anderen sind auch Verschnitte mit anderen Rebsorten möglich.

Problematisch wird die Regelung durch den Kompromiss, den die deutsche Kommission durchgesetzt hat. Die traditionellen Prädikatsstufen dürfen nämlich zusätzlich auf dem Etikett bleiben. Daher gibt es Bestrebungen, das Bezeichnungsrecht in Deutschland komplett zu reformieren. Man möchte gerne die neuen Herkunftsstufen mit eindeutigen Weinprofilen verbinden und somit dem Konsumenten verständlicher machen.

Die Weine mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung sollen mit einer Absenkung der Höchsterträge, der Verwendung bestimmter Rebsorten in einem Anbaugebiet und die Verwendung von Lagen oder Ortsnamen mit einer qualitätsgebundenen Regelung verbunden werden.

Die in der Reform vorgesehene Freigabe von Weinbau auf neuen Flächen außerhalb der traditionellen Anbaugebiete wird heiß diskutiert.

Auch in der Weinproduktion ergeben sich Veränderungen. Während bisher nur angereicherte Weine mit Traubenmost gesüßt werden durften, ist dieses Verfahren jetzt für alle Weine zulässig. Außerdem dürfen künftig Eichenholzchips auch schon bei der Gärung zum Einsatz kommen. Die Entalkoholisierung ist auf 8,5 % Vol begrenzt. Rotweine und Weißweine dürfen gemischt werden, allerdings darf das Ergebnis dann nicht als Rosé bezeichnet werden.

Sicherlich muss uns die Praxis zeigen, ob diese Veränderungen auch zu mehr Klarheit und deutlicher Abgrenzungen der Qualitätsunterschiede führen.

Wir von GV-Partner empfehlen Ihnen, sich auch in Zukunft auf die Auswahl unserer Weinfachberater und der Kunst unserer Winzer und Erzeuger zu verlassen, denn Geschmack und Qualität hat nichts mit dem Etikett zu tun.

Ihr GV-Partner Weinfachmann

Michael Selz

Share and Enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • LinkedIn
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • Email
  • RSS
Palazzo wieder in Berlin
Palazzo mit kulinarischer Doppelspitze in Berlin Christian Lohse und Hans-Peter Wodarz kochen gemeinsam. Spielzeit beginnt am 13. November 2009. Vorverkauf ist gestartet. Hans-Peter Wodarz und Christian Lohse werden am 13. November die [...] mehr
Email
Print