Witzigmanns Welt: Kürbis

Warnung: Sollten Sie Aschenputtel heißen, hüten Sie sich vor guten Feen, die Kürbisse in Kutschen verwandeln.

WitzigmannDiese Fahrzeuge halten nicht länger als bis Mitternacht und dann sitzen Sie mit Ihrem hübschen Hintern auf dem Boden. Kochen Sie den Kürbis lieber. Der betörende Duft wird den lang ersehnten Königssohn umgehend vor Ihre Haustüre lotsen.

Kürbisgerichte gibt es mindestens so viele wie Kerne in seinem Fleisch, aus denen die Steirer ihr berühmtes Öl pressen. So wundert es auch nicht, dass der gebürtige Steirer und heutige Gouverneur Arnold Schwarzenegger einst über den kürzlich verstorbenen Bruder von John F. Kennedy sagte: “Ted Kennedy ist wie ein Kürbis.” Aber zurück zu den märchenhaften Gerichten, die sich aus der Frucht dieses einjährigen Rankengewächses zaubern lassen. Das Einfachste ist eine Kürbissamtsuppe. Suchen Sie sich z.B. einen schönen Hokkaidokürbis aus – den können Sie sogar mit Schale und Kernen verwenden – und kochen sie ihn in einer kräftigen Hühnerbrühe. Anschließend pürieren und etwas Sahne dazugeben. Wenn Sie die Suppe mit ein paar Tropfen Kürbiskernöl und Haferflocken panierten Polentawürfeln als Einlage abrunden, können Sie Indios jodeln hören, deren Hauptnahrungsmittel neben Mais und Bohnen – lange bevor er nach Europa importiert wurde – der Kürbis war. Weitere Magenschmeichler sind Ravioli mit Kürbis-/Amarettofüllung, Kürbis süß-sauer eingelegt, Kürbis als Risotto oder Chips mit Curry bestreut oder als Chutney. Den Kürbis als Botschafter süßer Verlockungen habe ich in den Siebzigern in Maryland, Virginia kennengelernt. Der traditionelle “pumpkin pie” mit Pekan-Nüssen gehörte damals wie heute zum “Thanksgiving”-Menü genauso dazu wie der obligatorische Truthahn.

Das war auch die Zeit, in der ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Dosenöffner verwendete. Die Mischung für den Kuchenteig kam nämlich aus der Konserve. Der Küchengott möge mir für diese Sünde vergeben. In Virginia lernte ich auch Halloween kennen und die ausgehöhlten, zu Masken geschnitzen Kürbisse. Mein Nachbar warnte mich damals vor den verkleideten Kindern, die ihm einmal sein Haus von oben bis unten mit Klopapier eingewickelt haben, weil er ihnen zu wenig Süßigkeiten gegeben hatte. Das brachte mich auf folgende Idee: Als die Kinder klingelten und “trick or treat” riefen, öffnete ich die Tür mit einer Gasteiner Krampusmaske auf dem Kopf. Sie können sich nicht vorstellen, wie die gelaufen sind.

Aus: FREIZEIT-Kurier vom 31.10.
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolummne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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