Basmati-Reis zum Frühstück

Die deutschen Stars der Leichtathletik-WM checken im Hotel am Lützowplatz ein – viele Sportler anderer Nationen sind längst da.

Die kenianischen Athletinnen springen mit ihren langen Beinen im Seerosenteich von Stein zu Stein und lachen fröhlich, wenn die Fische zur Seite stieben. Zwar ist der hübsche Teich nur eine bewegliche Projektion auf dem Fußboden der Eingangshalle des „Hotel Berlin, Berlin“ am Lützowplatz in Tiergarten. Doch viele der angereisten Teilnehmer der Leichtathletik-WM haben ihre Freude an der spielerischen Interaktion. „Manchmal erscheint auf dem Boden auch ein kleines Fußballfeld, und es gab schon einige Leichtathleten, die mit Begeisterung den Ball gekickt haben“, erzählt Marlene Meyer, die leitende Hausdame des Hotels am Lützowplatz.

1200 Athleten, Trainer und Betreuer aus 80 Nationen sind für die Zeit der WM hier exklusiv untergebracht, die größere Zahl von über 2000 Gästen schläft im Hotel Estrel an der Sonnenallee in Neukölln. Auch die deutsche Mannschaft wird im „Hotel Berlin, Berlin“ wohnen. Auf welchem der sechs Flure verriet Hotelmanagerin Cornelia Kausch bei der gestrigen Schlüsselübergabe an den Geschäftsführer des WM-Organisationsteams, Heinrich Clausen, jedoch nicht. Bekannt ist nur, dass die 91 nominierten deutschen Athleten zwei Tage vor ihren jeweiligen Wettkämpfen aus dem Leistungszentrum im Brandenburgischen Kienbaum anreisen und ihre Hotelzimmer in Tiergarten beziehen werden.

Ein Drittel der 620 zur WM vermieteten Zwei- und Dreibettzimmer waren am Dienstagabend bereits belegt. Neben den Sportlern aus Kenia und Simbabwe sind auch schon Athleten aus Jamaika und den skandinavischen Ländern vor Ort. Heute kommen vier Athleten aus Westafrika im Hotel an, sie sind allerdings schon seit zwei Wochen in Berlin: Die Hammerwerferin Florence Ezeh und der Mittelstreckler Boampouguini Djigban aus Togo, die Sprinterin Mariama Bah und der Sprinter Oumar Bella Bah aus Guinea haben gemeinsam mit der Hundertmeterläuferin Fatou Tiyana aus Gambia beim Athletik Club Berlin in Kaulsdorf trainiert. „Wir haben dort eine fantastische Gastfreundschaft kennengelernt“, sagt Lanwi Karba, Sprinttrainer und Betreuer der Togoer.

Nun können sie sich mit den anderen Athleten beim Kickern, Tischtennis, in der im 60er-Jahre-Stil eingerichteten Lounge, der Disco und in der Sauna vom Training und den Wettkämpfen erholen. Im Ruhebereich der Saunaanlage sorgen sogar ein echter kleiner Wasserfall und Steingarten für entspannende Atmosphäre. Nebenan ist der Fitnessraum mit Laufbändern, Hantelbänken und einer Personenwaage bestückt. Wer weiß, vielleicht ist das notwendig, denn zu essen gibt es rund um die Uhr. „Wir werden in den kommenden zwölf Tagen tatsächlich von einem ‚à la Carte‘- zu einem ‚All inclusive‘-Hotel“, sagt Managerin Kausch.

Das Speisen- und Getränkeangebot ist den vielfältigen Bedürfnissen der Gäste angepasst, auch in Bezug auf ethnische und religiöse Hintergründe. Sechs Monate hat Küchenchef André Klode-Purat gebraucht, um in Zusammenarbeit mit dem medizinischen Dienst in Australien, Ernährungswissenschaftlern und Sportlern abwechslungsreiche Buffets für jeden Tag zu kreieren – von ballaststoffarm für die Stunden vor den Wettkämpfen bis energiereich für den Abend danach. Allein das Dinner ist, um den unterschiedlichen Zeitplänen der Athleten gerecht zu werden, auf sechs Stunden ausgerichtet. Was musste der Küchenchef sonst noch beachten? „Zum Beispiel, dass viele Nationen gern Basmatireis zum Frühstück essen und viele die Saucen separat von Fleisch und Pasta serviert haben möchten“, sagt Klode-Purat. 45 Mitarbeiter wird er in den Spitzenzeiten während der WM in der Küche beschäftigen. Aus den Minibars sind, anders als im Hotel Estrel, die alkoholischen Getränke übrigens nicht entfernt worden. Kausch begründet die Entscheidung so: „Wir gehen davon aus, dass unsere Gäste Gewinner sind und ihre Siege gern feiern möchten.“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.08.2009)

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